"Der unsichtbare Dritte" mit Cary GrantAlfred Hitchcocks Filmklassiker "North by Northwest“ von 1959
Cary Grant in einer seiner Glanzrollen. In diesem Filmklassiker rund um eine Verwechslung ist er als komisch-romantischer Held in seinem Element!
Die Magie des Unsichtbaren Dritten erschließt sich mit jeder Sichtung mehr. So manche Szene erhebt früher oder später den Anspruch auf Genialität. Ein Seherlebnis der unvergesslichen Art. Komik im FokusSelten impliziert ein Krimi solch fantastische Komik. Selbst die Liebesgeschichte zwischen Thornhill und Eve Kendell entbehrt grotesker Aspekte nicht. Dynamik und Abwechslungsreichtum resultieren ausnahmslos aus der glänzenden Hauptrolle, die Cary Grant verkörpert. Von der ersten Szene an ist der Fokus auf den Werbefachmann Thornhill gerichtet, der von einem Schlamassel in das nächste wandert. Nie aber entsteht der Eindruck, dass er vom Schicksal überwältigt wird. Thornhill bewältigt die Schwierigkeiten mit Bravour, weil er sich stets ein lachendes Auge bewahrt. Cary Grant beweist in diesem Film sein komisches Talent. Einige Rollen des Schauspielers waren mit Komik angereichert (etwa Ich war eine männliche Kriegsbraut, Liebling, ich werde jünger oder Arsen und Spitzenhäubchen), doch keine scheint so maßgeschneidert für ihn geschrieben worden zu sein. Er mimt den Werbefachmann, der in die Fänge eines Spionagerings gerät, derart glaubwürdig, dass es eine Freude ist. Nein, es geht mal nicht ums Kornfeld…Die Szene im Kornfeld hat Filmgeschichte geschrieben, und braucht deswegen nicht ausführlich behandelt zu werden. Zwei andere Szenen und ein Kuriosum verdienen nähere Betrachtung. … sondern um zwei andere Szenen!Zu seiner Überraschung befindet sich Thornhill in der Villa eines Menschenschlags, der ihm nach dem Leben trachten wird. Er verneint vehement die Behauptung von Mister Townsend, es handle sich bei ihm um einen Spion namens Kaplan. Zwei üble Burschen zwingen ihn dazu, jede Menge Bourbon zu trinken, woraufhin er schwer betrunken ist. Doch die Rechnung stellt bekanntlich der Wirt aus. Einer der Burschen setzt Thornhill in einen Wagen, lenkt diesen Richtung Abgrund, und springt heraus in baldiger Erwartung des todbringenden Unfalls. Thornhill aber hat noch einige seiner Sinne beisammen und vermag es, den Wagen gerade rechtzeitig vor dem Absturz zu bewahren. Darauf hin kommt es zu einer Verfolgungsjagd, die mit einer Karambolage endet, in welche die Polizei verwickelt ist. Die Szene im Polizeipräsidium besticht durch die unvergleichliche Präsenz von Cary Grant. Thornhill ist sich seiner Volltrunkenheit bewusst, albert mit dem Polizeiarzt herum, und gibt gerne zu, mehr Bourbon als Blut im Körper zu haben. Das ihm zustehende Telefongespräch mit seiner Mutter erweitert die Kuriosität, dass ein eben noch dem Tode entronnener Mann aufgrund seiner Trunkenheit seine Umwelt zum Narren hält. An Komik kaum zu überbieten ist die Szene, welche eine Auktion zum Gegenstand hat. Thornhill ist Eve Kendell in den Saal gefolgt, wo die Auktion stattfindet, und bemerkt, dass sie offenbar die Geliebte von Townsend ist. Nur wenig später wird ihm bewusst, dass ein weiterer Mordanschlag auf ihn geplant sein mag. Er ist umzingelt von Menschen, die ihn lieber gestern als heute umbringen wollen. In dieser schwierigen Situation hat Thornhill einen erstaunlichen Einfall: Die Auktion ermöglicht es ihm, mitzusteigern, und das macht er mit Bravour. Den Idioten zu spielen, um Aufmerksamkeit zu erregen, was schließlich darin mündet, dass er von der Polizei abgeführt wird, gehört zum genial-verrücktesten, das die Filmgeschichte bereithält. Das wahre Alter einer Frau ist unergründlich?Um die zweite Hauptdarstellerin neben Eva Marie Saint (spielt Eve Kendell), nämlich Jessie Royce Landis (spielt die Mutter von Thornhill), rankte sich lange Zeit eine „Legende“. Sie behauptete nämlich mit Nachdruck, im gleichen Jahr wie Cary Grant geboren zu sein. Somit hätte es ein besonderes Kuriosum dargestellt, in einem Film die Rollen von Mutter und Sohn von zwei Schauspielern verkörpert zu sehen, die gleich alt sind. Mittlerweile wurde belegt, dass Jessie Royce Landis sieben Jahre früher als Cary Grant das Licht der Welt erblickt hatte. Wenngleich damit der Altersunterschied für die Rollenzuschreibungen im Unsichtbaren Dritten immer noch ungewöhnlich ist, sind die Fronten damit eindeutig geklärt. Ein Meisterwerk von HitchcockAllein der Komik wegen, die großteils der perfekt umgesetzten Rolle von Cary Grant zu verdanken ist, wurde dieser Film zu einem Klassiker, der nie langweilig sein kann. Freilich sind auch die anderen Schauspieler mit größeren Rollen, angefangen von Eva Marie Saint über James Mason bis zu Jessie Royce Landis und Martin Landau, mitverantwortlich für das Gelingen des vielleicht witzigsten Films, den Alfred Hitchcock (nach einem Drehbuch von Ernest Lehman) je inszeniert hat. Der unsichtbare Dritte („North by Northwest“), ca. 131 Minuten, USA, 1959
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