"Arsenic and Old Lace" (USA 1941/1944)Die berühmte Schwarze Komödie von Frank Capra mit Cary Grant
Die Komik von "Arsenic and Old Lace" ("Arsen und Spitzenhäubchen") hat auch 65 Jahre nach ihrer Erstaufführung nichts an Wahnwitz und Morbidität eingebüßt.
Der InhaltBrooklyn, New York. Der bekannte Theaterkritiker Mortimer Brewster (Cary Grant) heiratet entgegen seiner Ablehnung der Ehe die Pfarrerstochter Elaine Harper (Priscilla Lane). Schon buchstäblich auf dem Weg in die Flitterwochen, besucht Mortimer seine beiden alten Tanten – und findet eine Leiche in der Fenstertruhe. Zunächst verdächtigt er seinen Cousin Teddy, der sich für Theodore Roosevelt hält. Doch freudestrahlend eröffnen ihm seine Tanten (Josephine Hull und Jean Adair), der Tote in der Truhe sei einer von insgesamt zwölf alleinstehenden Herren, die sie als Akt der Nächstenliebe mit Arsen im Holunderbeerwein vergiftet hätten – von Teddy als vermeintliche Opfer des Gelbfiebers im Panama-Kanal, d. h. im Brewsterschen Keller begraben. Noch komplizierter werden die Dinge, als Mortimers Bruder Jonathan (Raymond Massey) und ein gewisser Dr. Einstein (Peter Lorre), beide steckbrieflich gesucht, auf den Plan treten. Von nun an ergeben sich immer neue Verwicklungen, die in atemlosem Tempo stattfinden und Mortimer mehr als einmal an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen. Zum Schluss löst sich alles in Wohlgefallen auf: Jonathan wird verhaftet, die überforderte Polizei lässt Dr. Einstein unbehelligt ziehen, Teddy und die Tanten ziehen freiwillig in die geruhsame Nervenheilanstalt, und Mortimer erfährt, dass er gar nicht mit den Brewsters verwandt ist. Eine der bekanntesten Schwarzen Komödien der FilmgeschichteDer Film, inszeniert von den eigentlich auf Sozialkomödien spezialisierten Frank Capra, beruht auf dem gleichnamigen Broadway-Stück von Joseph Kesselring und ist neben „The Ladykillers“ (GB 1955) vielleicht die bekannteste Schwarze Komödie der Filmgeschichte. Sein makabrer Humor beruht auf dem Kontrast zwischen der scheinbaren Harmlosigkeit der Tanten und ihrer freundlichen Skrupellosigkeit. Diese lässt selbst den wegen Mordes gesuchten Jonathan sprachlos werden, als er feststellen muss, dass seine Tanten genauso viele Menschen ins Jenseits befördert haben wie er selbst. Die Szenen, in denen er und Dr. Einstein auftreten, verstärken durch expressionistische Beleuchtung und Kameraführung das „schwarze“ Moment. Und tatsächlich wird Jonathan oft mit Boris Karloff (der die Rolle am Broadway spielte) als Frankensteins Monster verwechselt, weil ihn sein Komplize Dr. Einstein (eine Parodie der im Horrorfilmgenre beliebten Figur des verrückten Wissenschaftlers) unter Kino- und Alkoholverlust dieses Aussehen verpasst hat. Vielschichtige KomikVerstärkt und untermalt wird die Komik weiterhin durch das Sammelsurium absurder Nebenfiguren – etwa den stets bekümmerten Leiter der Nervenheilanstalt „Seelenfrieden“ oder den sich zum Dramatiker berufen wähnenden Streifenpolizisten -, die dem Film den zusätzlich grotesken Charakter einer Situationskomödie verleihen. Abgerundet wird die vielschichtige Komödie schließlich durch den Mortimer – Elaine – Subplot, der Versatzstücke der damals sehr beliebten „screwball comedy“, der Vorläuferin der heutigen Beziehungskomödien, nutzt. Reclams Fimführer urteilt: „Capra hat seine literarische Vorlage getreu verfilmt. Das Ergebnis ist gleichwohl nicht einfach abgefilmtes Theater, sondern eine auch filmisch wirkungsvolle Gruselkomödie, die besonders aus der Betonung der Details Wirkungen bezieht.“ Der Film wurde Ende 1941 produziert, kam jedoch erst 1944, nachdem das Originalstück am Broadway ausgelaufen war, in die Kinos. „Arsenic and Old Lace/Arsen und Spitzenhäubchen“ wurde im Jahr 2000 vom American Film Institute auf Platz 30 der 100 besten Filmkomödien gewählt.
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