Henry Mancini im Porträt

Der Filmkomponist starb vor 15 Jahren

11.06.2009 Rainer Nolden

Henry Mancini gehörte zu den erfolgreichsten Filmkomponisten Hollywoods. Im Alter von 70 Jahren ist er am 14. Juni 1994 in Beverly Hills gestorben.

Filmkritiken, die sich mit dem Soundtrack beschäftigen oder ihn auch nur erwähnen; Kinofans, für die Filmmusik mehr ist als akustisches Beiwerk zu den Bildern - man muss sie mit der Lupe suchen. "Haben sie von der Musik gesprochen?" ("Did they mention the music?") - die Frage, die Henry Mancini zum Titel seiner 1989 veröffentlichten Autobiografie wählte, scheint also durchaus berechtigt.

Freilich war sie gerade bei diesem Filmkomponisten, der am 14. Juni 1994 im Alter von 70 Jahren gestorben ist, nicht ohne Koketterie, gehörte er doch zu der Handvoll Musiker, die sich keinerlei Sorgen um die Wirkung und Verbreitung ihrer Werke machen mussten. Mancini hat nämlich in seiner rund 50 Jahre umspannenden Karriere oft genug bewiesen, "film scores" schreiben zu können, die auch außerhalb des Kinos ihr Publikum fanden.

Die Schallplatte als Werbeträger für Filmmusik

Dabei kam ihm ein Trend zu Hilfe, der Ende der 1950er Jahre einsetzte und rasch zu einem florierenden Geschäftszweig bei der Filmvermarktung und - verwertung wurde. Damals entdeckten die Studiobosse die Schallplatte als zusätzlichen Werbeträger für ihre Produktionen. Ein eingängiger Song, im Vorfeld der Premiere veröffentlicht, steigerte die Neugier auf das Kinoereignis. Fortan war Filmmusik nicht länger nur im Vorführsaal zu hören; man konnte sie jetzt auch mit nach Hause nehmen. Das heißt, die Musik leistete im Idealfall zwei Dinge: Sie musste die Stimmung auf der Leinwand begleiten oder intensivieren; sie konnte aber auch, losgelöst aus ihrem funktionalen Kontext, autark genug sein, um sich als Schlager im täglichen Hitparaden-Einerlei zu behaupten.

Henry Mancini hat diesen musikalischen Balanceakt mit Bravour bewältigt, ohne seine künstlerischen Absichten zu verraten oder die kompositorischen Maßstäbe zu niedrig anzusetzen. Auf diese Weise hat er die amerikanische Unterhaltungsmusik um einige hinreißende Evergreens bereichert.

Erster Oscar für "Moon River" in "Frühstück bei Tiffany"

Zum Beispiel "Frühstück bei Tiffany": Der langsame Walzer "Moon River" war Balsam für das chaotische Gefühlsleben der 18-jährigen Holly Golightly alias Audrey Hepburn - und einer der größten Schlagererfolge des Jahres 1961. Beinahe wäre Mancini allerdings um seinen "Oscar" für die beste Filmmusik gekommen, denn Regisseur Blake Edwards konnte nur mit Mühe überredet werden, den Song nicht aus dem fertigen Film herauszuschneiden, weil er von Hepburns (in der Tat nicht überwältigendem Gesangstalent) ganz und gar nicht überzeugt war. Es war dann auch Frank Sinatra, der "Moon River" zum Welterfolg machte.

"The Days of Wine and Roses" ist, losgelöst vom gleichnamigen Film aus dem Jahr 1962 - wieder führte Edwards Regie - ein melancholisches Liebeslied; als Soundtrack dagegen verstärkt es die Tristesse und Ausweglosigkeit der Alkoholsucht, der Jack Lemmon und Lee Remick als unglückliches Ehepaar verfallen sind. Auch diesmal gab es einen Oscar für Mancini. Insgesamt wurde er 18 Mal für den Preis nominiert; erhalten hat er die Auszeichnung vier Mal.

Der Auftritt des "Rosaroten Panthers" schließlich wäre nur halb so effektvoll ohne das lässige "Pink-Panther"-Thema, dessen pfiffiges Arrangement - ein Saxophon brummelt solistisch über der Rhythmus-Gruppe - sich für alle Zeiten ins Ohr eingenistet und (fast) alle Filme der Panther-Reihe (Regie: wieder Blake Edwards) musikalisch unterfüttert hat.

Henry Mancinis Werdegang: Musikstudium an der New Yorker Juilliard School

Henry Mancini wurde am 16. April 1924 in Cleveland, Ohio, als Enrico Nicola geboren; seine Eltern waren vor dem Ersten Weltkrieg aus den Abruzzen in die USA ausgewandert. Vater Quinto Mancini spielte in einer Amateur-Bigband und steuerte den Sohn, der mit Musik eigentlich überhaupt nichts am Hut hatte, sanft, aber nachdrücklich in eine Musikerlaufbahn. Der Filius fand dann doch noch Geschmack an der Tonkunst, studierte an der New Yorker Juilliard School sowie bei Ernst Krenek und Mario Castelnuovo-Tedesco.

Nach einigen Jahren als Arrangeur und Pianist beim Glenn-Miller-Orchester, das nach dem Tod seines Gründers von Tex Beneke geleitet wurde, erhielt Mancini 1951 einen Vertrag von den Universal Film Studios. Dort war er einer der wenigen Musiker, die nicht aus dem klassischen Fach kamen.

Mancini und Edwards: Der Beginn einer langjährigen Freundschaft

Mancini arbeitete häufig mit jungen Talenten aus der Jazzszene zusammen, die mit Experimentierfreude und Kreativität frischen Wind in die Filmmusik-Szene bliesen. Einer, den die neuen Klänge begeisterten, war der Regisseur Blake Edwards. Ihr erstes gemeinsames Projekt, die TV-Serie "Peter Gunn" (1958), wurde zur Basis für eine jahrzehntelange Zusammenarbeit.

"Eines habe ich bei meiner Arbeit gelernt: Gute Musik kann einen guten Film noch bessermachen, aber sie kann keinen schlechten Film retten", meinte Mancini einmal, der bis zu seinem Tod mit der Sängerin Virginia O'Connor verheiratet war und mit ihr drei Kinder hatte. "Wir Komponisten sind schließlich keine Zauberer. Wir liefern nur einen Puzzlestein zu einem Gesamtkunstwerk. Aber wenn ich merke, dass ich einen guten Beitrag geleistet habe, dann habe ich ein sehr angenehmes Gefühl."

Dieses Gefühl dürfte Henry Mancini in seinem Leben ziemlich häufig gespürt haben.

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