Rossellinis Klassiker "Stromboli" 60 Jahre altDer Kultfilm mit Ingrid Bergmann hat die Insel weltberühmt gemacht
Im Jahr 1949 verwirklichte Roberto Rossellini eine kühne Idee: Er drehte ein Melodram unter dem Feuer spuckenden Vulkan Stromboli und erntete Beifall - mit Verzögerung
Jahr für Jahr, August für August, wenn die Touristen zuhauf auf die kleine Insel strömen, verwandelt sich am späten Abend die Piazza vor der Kirche San Vincenzo in ein Freiluftkino. Und die Menschen, Einheimische wie Touristen, stehen dicht gedrängt und huldigen einem Kultfilm: Dem Rossellini-Film „Stromboli“ mit Ingrid Bergmann in der Hauptrolle. Rossellini-Film „Stromboli“ mit Ingrid Bergmann entstand vor 60 JahrenIm Frühjahr 1949, also vor genau 60 Jahren, wurde der Streifen auf der damals kargen, 12,6 Quadratmeter großen Insel gedreht; auf dieser Insel, die eigentlich nur aus dem 926 Meter hohen, stets lebendigen Vulkan, besteht, mit einer Bevölkerung, die sich seinerzeit zusammensetzte aus einer Handvoll Fischern und Rentnern, die als Emigranten zumeist in den USA oder Australien gelebt hatten, weiterhin gern englisch sprachen und in der alten Heimat eine karge Rente verzehrten. Oder vereinsamt darauf warteten, auf dem Friedhof oben am Berg, mit einer herrlichen Aussicht aufs Mittelmeer, begraben zu werden. Dreh auf der seinerzeit kargen Insel war ein ambitioniertes ProjektEigentlich war es eine ziemlich kühne Idee von Roberto Rossellini gewesen, hier einen Film zu drehen. Allein der technische Aufwand war enorm: Die gesamte Ausstattung und Ausrüstung einschließlich der seinerzeit noch ziemlich voluminösen Kameras, wurde per Schiff herangeschafft. Alles – Mensch wie Material – musste ausgebootet werden. Die Strassen im Dorf waren holprige schmale Wege, Bergaufnahmen in halber Höhe hinter dem Ortsteil Piscita konnten nur mit einheimischen Bergführern bewältigt werden. Die Unterkünfte waren ärmlich, viele Häuser dem Verfall preisgegeben, weil nicht wenige Einheimische, der Not gehorchend, ausgewandert waren. Der Vulkan – Bedrohung und Freund zugleichAber andererseits war genau dies das Ambiente für eben diesen Film. Denn genau hier konnte Rossellini, der Neo-Realist, dann auf beeindruckende Weise die nachgerade dokumentarischen Aufnahmen dieser Insel mit ihren schwarzen Stränden und Felsen, den wütenden Vulkanausbrüchen verweben mit einer dramatischen Liebes- und Leidensgeschichte aus den ersten Jahren der Nachkriegszeit. Es ist die Geschichte einer jungen Frau (Ingrid Bergmann), die in einem Flüchtlingslager einen aus Stromboli stammenden italienischen Soldaten (Mario Vitale) kennen lernt. Um dem Lager zu entkommen, heiratet sie den Mann, der im zivilen Leben ein schlichter Fischer ist. Sie sucht Geborgenheit, findet aber auf Stromboli Demütigungen, Gewalt, auch Hass. Sie wird schwanger, will fliehen – beschließt aber dann im Angesicht des Vulkans, der ihr zunächst Bedrohung ist und dann Freund wird, auf Dauer zu bleiben. Heißt der Film doch in seinem Untertitel „Terra di Dio“, was „Gottes Erde“ bedeutet. Der Film stieß in den USA auf AblehnungRossellini hat mit diesem Film ein Melodram gedreht, das sicher nicht zu den besten dieses Genres zählt. Aber auch hier, so scheint es, ist der Feuer speiende Berg Bedrohung und Freund zugleich. „Stromboli“ lebt von Eruptionen der Natur, die sich in den Menschen widerspiegeln. Dahinter darf die Handlung auch etwas verschwimmen. So war dieses ländliche Melodram für Kritik und Zuschauer nicht leicht zugänglich. In den USA stieß der Streifen zunächst gänzlich auf Ablehnung. Aber das hatte andere Gründe: Der Hollywood-Star Ingrid Bergmann hatte nach der Produktion auf der einsamen Mittelmeerinsel ihren Mann verlassen, um Rossellini zu heiraten… Heute lebt die Insel gut vom TourismusDer Film, die Erinnerung an Roberto Rossellini, Ingrid Bergmann und Mario Vitale, werden in Stromboli heute noch hoch gehalten. Schließlich waren nicht wenige der Komparsen vor 60 Jahren die Großväter und Großmütter der heutigen Generation. Die hat allerdings nicht mit dem Fischfang kargen Lohn verdient, sondern ist zu gutem Geld gekommen mit dem Tourismus – den dieser Film mit ausgelöst hat. An dem rostrot gestrichenen Haus, in dem die Diva seinerzeit gewohnt hat, erinnert eine Marmortafel an den illustren Gast. Rosselini, der gleich daneben logierte, ist solcherart nicht bedacht worden. Dieterles Film „Vulcano“ hat andere QualitätenAuf Stromboli darf man es nicht laut sagen: Aber der wenig später auf der Nachbarinsel gedrehte Film „Vulcano“ von William Dieterle mit Anna Magnani hat künstlerisch anderes Format. Aber auf Vulcano gibt es keinen lebendigen Vulkan mehr, doch dank der Magnani wurde dieser Film zu einem sehr poetisch erzählten Drama.
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