"The Ladykillers" (GB 1955) - mit Alec Guinness

Wie ermordet man eine alte Dame? Eine Komödie der Ealing-Studios

03.11.2009 Nuri Ortak

Die britische Komödie aus den Ealing-Studios ist eine unübertroffene Übung in schwarzem Humor.

Die freundliche alte Dame Mrs. Wilberforce, eine Witwe, bietet zwei möblierte Zimmer im Dachgeschoss ihres Hauses zur Miete an. Groß ist ihre Freude, als der undurchsichtige Professor Marcus Interesse daran bekundet, ihr Mieter zu werden. Er erklärt, er beabsichtige, die Räume gemeinsam mit vier gleichgesinnten Freunden zum Musizieren zu nutzen. Begeistert stellt Mrs. Wilberforce ihre Zimmer zur Verfügung. Was sie nicht weiß: das vermeintliche Musikquintett entpuppt sich hinter verschlossenen Türen als eine Gangsterbande, die einen Überfall auf einen Geldtransport plant. Die musikalischen Kostproben, denen Mrs. Wilberforce unten verzückt lauscht, stammen von einer Schallplatte.

Ein Raubüberfall

Doch Mrs. Wilberforce ist nicht nur als Vermieterin nützlich; sie ist sogar, ohne es zu wissen, integraler Bestandteil von Professor Marcus' Überfallplan. Sie ist es nämlich, die ahnungslos die am Londoner Bahnhof deponierte Beute abholen und den „Musikern“ überbringen soll.

Nach mehreren Verwicklungen, in deren Verlauf die Gangster ihre Nervenkostüme arg strapazieren, gelingt der Coup, und Mrs. Wilberforce erfüllt nicht nur ihren Part als Botin der Beute – sie wird sogar von zwei Polizisten begleitet, die für ihre Sicherheit sorgen.

Die Enttarnung

Gerade als die Gang sich freundlich, aber eilig von ihrer Vermieterin und Komplizin wider Willen verabschieden, unterläuft dem plumpen, aber gutmütigen „One-Round“ ein Missgeschick: der Cellokasten mit seinem Beuteanteil bleibt in der Haustür stecken, heftiges Zerren sorgt dafür, dass er sich öffnet und Dutzende Banknoten umherflattern – gerade als Mrs. Wilberforce in der Haustür steht. Die Versuche der Gangster, sich herauszureden, schlagen fehl.

Die mörderische Frage, wer zum Ladykiller wird

Die alte Dame bleibt halsstarrig und besteht darauf, die Bande müsse sich der Polizei stellen. Weder rührselige Geschichten über das harte Schicksal der Gangster noch unverhohlene Drohungen, sie werde als Mittäterin ebenfalls hinter Gitter landen, können sie von ihrem Vorhaben abbringen, das Geld der Polizei auszuhändigen. Darum fasst die Bande den Entschluss, Mrs. Wilberforce umzubringen. Problematisch ist nur, dass sich keiner der Gangster überwinden kann, die Tat selbst auszuführen, so dass schließlich Streichhölzer entscheiden müssen. Doch einer nach dem anderen versagt bei dem Unterfangen, den Mord zu begehen und bezahlt für den Versuch, stattdessen mit der Beute zu flüchten, mit seinem Leben. Schließlich kann Mrs. Wilberforce die Beute für sich behalten, weil die Polizei ihre wahrheitsgemäße Geschichte für den Spleen einer überkandidelten alten Dame hält.

Die Komik der „Ladykillers“

Die pointenreiche Kriminalkomödie „The Ladykillers“ ist die wohl bekannteste Produktion der britischen Ealing-Studios. Spannung und Komödie sind hier aufs engste miteinander verwoben. Der Film besticht durch ein virtuoses Timing und zerfällt in zwei Teile. Im ersten Teil besteht die Spannung in der Frage, ob die Gangster ihr Vorhaben vor ihrer Vermieterin geheimhalten können und ihr Coup wohl gelingen wird. Die damit verbundenen Schwierigkeiten werden in grandioser Situationskomik ins Absurde getrieben. Von besonderer Wichtigkeit ist vor allem der scharfe Kontrast zwischen der hilflos wirkenden alten Dame und den mit allen kriminellen Wassern gewaschenen Verbrechern. Der zweite Teil setzt mit der Entlarvung durch Mrs. Wilberforce ein und betrifft die Frage, ob es den Räubern gelingt, sich ihrer Mitwisserin zu entledigen. Gerade hier sind Züge schwarzen britischen Humors unverkennbar, sodass der Filmtitel auch als ironische Anspielung auf das Versagen der Möchtegernmörder zu verstehen ist. Keiner von ihnen bringt letztlich die Nerven auf, die ruchlose Tat zu begehen.

Eine Parabel der Ealing-Studios

Filmkritiker haben die Ealing-Produktion auch als Parabel auf die innenpolitische Situation Großbritanniens in den 1950er Jahren gesehen; für sie repräsentieren die Gangster die englische Nachkriegsregierung, die den Reichtum im „Haus“ England neu verteilen will, während Mrs. Wilberforce die ungehaltene konservative Gesellschaft mit ihren guten, alten Werten darstellt. Doch auch ohne diesen zeitgeschichtlichen Bezug funktioniert die Komik, insbesondere das kunstvolle Timing des Erzähltempos.

Preise

Für Regisseur Alexander Mackendrick war „The Ladykillers“ sein letzter englischer Film. Peter Sellers spielte seine erste größere Kinorolle an der Seite seines Vorbildes Alec Guinness. Katie Johnson erhielt für ihre Darstellung der Mrs. Wilberforce einen British Film Award; ein weiterer ging an das Drehbuch von William Rose.

„The Ladykillers" wurde mit gravierenden Änderungen 2004 von den Coen-Brüdern mit Tom Hanks in der Hauptrolle neu verfilmt.

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